Abgelegene Fluchten, hängende Gärten und weite Blicke

Comissário Avila begleitet mich in das Hotel Atrio in Estreito da Calheta, hoch über der Südküste von Madeira …

Switch to english version

»Das sieht hier fast so aus wie das Hotel, in dem Leticia und ich ein stürmisches Wochenende verbracht haben.« Kritisch schaut der Comissário seine Autorin von der Seite an. »Hast du mir vielleicht etwas zu sagen?«

Wir gehen durch die gemauerte Einfahrt in Richtung Eingang. Grober Kies knirscht unter meinen Füßen. Vor uns taucht das dicht bewachsene rostrote Hauptgebäude des Atrio auf. Durch einen kleinen Torbogen gelangen wir in den grünen Innenhof, der dem Hotel den Namen gegeben hat.

»In diesem Innenhof haben doch Leticia und ich gesessen? Ich erkenne doch den metallenen Vogel wieder, der hier den Brunnen bewacht!« Avila deutet auf den Kranich, der zwischen Zitrusbäumen neben dem kleinen Brunnen steht. Geschützt zwischen Rundbögen laden gemütliche Korbsessel zum Verweilen ein. Mich zieht es aber in den Garten mit seinem weiten Blick über den Atlantik.

Avilas Blick bleibt an dem türkis gefliesten Swimmingpool hängen.
»Was sagt eigentlich die Hotelchefin dazu, dass du in ihrem schönen Pool eine Leiche platziert hast?«
Verlegen kratze ich mich am Kopf: »Na, ganz so ist es ja nicht. Der Pool hier sieht doch nur ein wenig so aus wie in »Madeirasturm«, es fehlen die großen tönernen Vasen.«

»Und wie ich sehe, steht der Reiherbusch auch noch und treibt nicht neben der Leiche im Pool!« Avila deutet auf auf die rot fedrigen Blüten des Baumes, der neben der üppigen Hibiskushecke auf der Terrasse den Gästen Schatten spendet.
»Erinnern dich die Blüten auch immer an einen Flaschenputzer?«, versuche ich abzulenken.

Aber mein Comissário fällt auf so einen billigen Trick nicht herein. Neugierig schaut er sich um.
»Bei der Blütenvielfalt in diesem Garten hast du zumindest nicht übertrieben. Leticia würde ich aus dem Garten kaum wegbekommen. Hast du die Proteen und die Wandelröschen gesehen?« Er deutet auf ein Feuerwerk runder Blütenköpfen von orange und rot, die sich aus vielen kleinen Einzelblüten zusammensetzen.

»Woher kennst du dich so gut mit Pflanzen aus?«, frage ich ihn bewundernd.
»Mein bester Freund ist Gärtner, hast du das schon wieder vergessen?« Avila grinst mich an. »Und was Carlos mir nicht beibringt, erzählt mir Leticia. Sie hat unseren Garten in Garajau mittlerweile auch in ein Blumenparadies verwandelt.«

Er wendet sich in Richtung Haupthaus.
»So langsam bekomme ich Hunger. Ich erinnere mich an ein köstliches Dinner, was ich in dem Speisesaal eingenommen habe. Hoffen wir mal, dass der Teil nicht der Fantasie der Autorin entsprungen ist.«
»Das kann ich dir versprechen. Emmanuelle und Mikael Loret werden uns mit einem tollen Essen überraschen.« Als wir die Glastür zum Restaurant öffnen weht uns aus der Küche der Duft von frisch gebackenem Kuchen entgegen.

Zufrieden lässt sich Avila auf einen der Korbsessel plumpsen und wirft einen Blick in die Speisekarte.
»Ich denke, ich fange mit einer Caldo Verde an. Danach sollte noch Platz für einen Espada com Banana sein. Oder nehme ich doch ein Thunfischsteak?«
»Hauptsache, du hast hinterher noch Platz für ein Dessert. Der Kuchen riecht wirklich unglaublich.«
Avila hebt die Augenbrauen: »Du müsstest mich besser kennen. Bei so einem Angebot bin ich erst glücklich, wenn ich mich einmal komplett durch diese Speisekarte gegessen habe. Vor allem, wenn Leticia nicht dabei ist und mich kontrolliert. Fährst du? Ich habe da gerade einen wunderbaren Verdejo in der Weinkarte gesehen …«

Kurze Zeit später hebt Avila sein Glas, gefüllt mit gold schimmerndem Madeira.
»Jetzt erzähl mir mal, warum du heute mit mir den Weg von Funchal auf dich genommen hast, um mir das zu zeigen? Ist doch schon für Madeira Verhältnisse eine ziemliche Strecke für einen Ausflug. Okay, hier ist es abgelegen und wir haben unsere Ruhe …«
»Weißt du eigentlich, wie sehr die kleinen Hotels gerade leiden, weil die Touristen durch die aktuellen Auflagen nicht kommen?«, entgegne ich. »Ständig werden Flüge gestrichen und viele scheuen die Ungewissheit, wie ein Urlaub in diesen Zeiten aussehen mag. Gerade so kleine, liebevoll inhabergeführte Hotels wie dieses hier müssen jetzt ums Überleben kämpfen.«

»Das ist traurig! Diese Gegend hat sowieso vor zwei Jahren wegen der Feuer einiges mitmachen müssen. Hast du die abgebrannten Baumstämme entlang der Levada Nova gesehen? Ein Jammer.« Avila schüttelt den Kopf.

»Zum Glück ist das Atrio verschont worden und wir können jetzt die wunderbare Ruhe fernab der Touristenhochburgen genießen. Natürlich brauchen die Besucher hier ein Auto. Aber das macht im Urlaub auf Madeira eh Sinn. Wie kommt man sonst in den Feenwald im Fanal oder kann sich den grünen Dschungel der Levada do Rei im Nordosten ansehen?«
»Du hast völlig recht, wir sollten von diesem schönen Plätzchen erzählen. Es wäre zu schade, wenn diese kleinen Fluchten auf Madeira verschwinden.« Avila prostet mir zu. »Saúde! Ich bin sehr gespannt, wohin du mich als nächstes entführst.«

Atrio Madeira
Caminho dos Moinhos 218
P-9370-247 Estreito da Calheta
Madeira – Portugal

https://atrio-madeira.com

Unbezahlte Werbung

Zum Weiterlesen:
Impressionen einer Lesung im Hotel Atrio auf Madeira: »Blut und Blüten«

Von geheimnisvollen Gewölben, atemberaubenden Aussichten und beeindruckenden Bauwerken …

Mit Dave Cobbler auf Inspirationstour im alten Wasserturm in der Schanze. Spannender kann ein Tag kaum beginnen …

Langsam gleiten wir die Rollbahn in das Herz des Turmes empor. Blaue Lichter wabern über die Wände, Wasser plätschert, hier und da ertönt ein Schiffshorn …
Heute fragte mich Dave, ob ich mit zu einer gemeinsamen Ortsbegehung im Hotel am Wasserturm kommen möchte. Eine willkommene Abwechslung in meinem Schreiballtag. Wieso also nicht? Wir beide wollen uns von den alten Gemäuern und dem Kontrast des hier untergebrachten Hotels für neue Geschichten inspirieren lassen.

An den aufragenden Backsteinmauern lässt sich noch der Stand des Wassers im alten Wasserturm erahnen. Dave und mir würde das Wasser jetzt buchstäblich bis zum Halse stehen …
Wir folgen unserer Begleiterin in Richtung des Colosseo. Nein, nicht bis nach Rom, nur ein paar Ecken weiter. Wuchtige Stufen im alten Fundament erheben sich vor uns, schmale Gänge unter Bögen tun sich auf und gleich fängt es bei mir im Kopf an zu rattern. Ein Ort für einen Hamburger Fall meines portugiesischen Ermittlerteams?

Ich stutze. Da war doch was? Hat eben mein Comissário Avila den gläsernen Fahrstuhl betreten, um sich die wenigen Stufen in Richtung der »Cave Bar« zu ersparen? Das wäre ja mal wieder typisch, dass ich ihn beim Probieren der vielen unterschiedlichen Whiskeys treffe … Oder sitzt er noch mit Leticia beim Brunch? Ich muss gleich einmal nachschauen. Nein, er ist mir wieder entwischt. Ist Avila vor der neugierigen Autorin geflohen und geht mit Urso draußen Gassi? Oder war das der Täter, der hier schon in einem der vielen Gänge lauert? Vielleicht steckt dieser mit der Reinigungskraft unter einer Decke, die gerade den Boden wischt? Ich sollte gleich meinen schicken Subcomissário auf sie ansetzen, damit er etwas herausfindet.

Aber nein, Vasconcellos wird wahrscheinlich gerade einen Bummel durch das Schanzenviertel machen oder sich auf einem Lauf rund um die Alster befinden. Oder ist er doch oben im Wasserturm bei einem Stelldichein mit einer neuen Bekannten?

Am Ende gebe ich es auf, Avila und die Seinen zu suchen. Zu gut haben sie sich versteckt. Aber ich bin mir sicher, dass ich sie in einem der nächsten Bücher auf einen Hamburger Fall hierher und an andere spannende Orte der Stadt begleiten darf, sobald Leticia ihren reisemuffligen Mann davon überzeugen konnte. Oder wird Vasconcellos alleine kommen und seine neue Flamme besuchen?

Wir nehmen Abschied von dem alten Wasserturm. Noch einmal vielen Dank an Frau Schareina vom Mövenpick Team, die sich die Zeit genommen hat, uns herumzuführen und uns so diesen Inspirationsschub gegeben hat! Am Ende waren wir alle drei so in den möglichen Geschichten gefangen, dass auch bei ihr die Inspiration für kriminelle und fantastische Verwicklungen nur so sprudelte …

Bald werden sich Daves und meine Figuren in dem alten Wasserturm mit seinen geheimnisvollen Gängen und verwinkelten Wegen tummeln …

unbezahlte Werbung enthalten

Mörderische Dinnerlesung in Kellenhusen

Am 16. September ist es wieder soweit: Ich lese aus meinem dritten Avila-Krimi »Madeiraschweigen« im schönen Ostseebad Kellenhusen.

COMISSÁRIO AVILA FINDET KEINE RUHE
Das sonst so friedliche Madeira ist in Aufregung: Die abgetrennter Hand einer Journalistin wird in einer Levada gefunden. War sie zu neugierig? Ein neuer Fall für Avila, der ihm an die Nieren geht: denn er kennt den Hauptverdächtigen besser, als ihm lieb ist …

Am 16. September ab 19 Uhr möchte ich meine Zuhörer auf die Spuren der Kaiserin Sisi und des Mörders locken, der Madeira in Atem hält.
Begleitet Comissário Avila in meinem sechsten Krimi »MADEIRASCHWEIGEN« auf der Suche nach dem Mörder bei Köstlichkeiten aus Tonis Küche zu einer Mörderischen Dinnerlesung.

Wo? AL GIARDINO DA TONI
Waldstraße 5
23746 Kellenhusen

Wann? 16. September 2020 ab 19 Uhr

Eintritt 28 Euro mit Lesung und Speisen

Um Tischreservierung wird gebeten

unter: (+49 (0) 4364 17 59 / post@al-giardino.de)

Dieser August ist heiß – Autor des Monats bei Thalia

Dieser August bringt uns nicht nur ins Schwitzen, sondern mir auch große Freude: Bei Thalia bin ich Autor des Monats.

Darauf mussten Avila und ich erst einmal gemütlich einen Poncha trinken … »Muito Obrigada« liebes Tolino Team für die tollen Fragen im anschließenden Interview …

Mord im Urlaubsort? Klingt nach einem Roman von unserer Autorin des Monats Joyce Summer. Egal ob Madeira, Kapstadt oder Malta, ihre ErmittlerInnen sind dem Verbrechen auf der Spur. Erfahrt mehr über die Autorin im Interview!



Verrätst du uns, was es mit deinem Pseudonym „Joyce Summer“ auf sich hat?

Gerne. »Joyce« ist der Vorname meiner amerikanischen Gastmutter, zu der ich ein sehr enges Verhältnis hatte. Mir gefiel auch, dass »Joy«, Freude, in diesem Namen enthalten ist. Genau das sollen meine Bücher beim Lesen bereiten. »Summer« habe ich gewählt, weil meine Bücher an sonnigen Orten spielen.

Mit Comissário Avila, Pauline und Captain Strauss hast du bereits drei Krimireihen veröffentlicht. Wie entscheidest du, mit welchem Ermittlerteam es als nächstes weiter geht?

Ich muss gestehen, dass ist manchmal sehr schwierig, weil …

QUELLE: TOLINO Blog 08/2020

Neugierig geworden? Dann findet ihr hier das ganze Interview.

Schöner Morden auf der Blumeninsel – Jetzt neu: »Madeiraschweigen«

WER SCHÖN SEIN WILL, MUSS LEIDEN

Madeiras Damen sind glücklich. Endlich gibt es eine Schönheitsfarm nur für sie. Auch Leticia Avila und ihre Freundin Inês zieht es sofort in den Tempel der Schönheit. Mit Schlammpackungen, Peelings und Massagen werden die beiden verwöhnt. Dabei machen sie die Bekanntschaft der unangenehmen Journalistin Sofia Lima, die auf den Spuren Kaiserin Sisis die Insel und das Personal der Schönheitsfarm in Unruhe versetzt.

Comissário Avila passt derweil auf seine kleine Tochter auf und denkt darüber nach, seine Arbeit im Polizeipräsidium zugunsten seiner Familie zu reduzieren.
Doch als ein paar Tage später die abgetrennte Hand der Journalistin und kurz danach ihre Leiche auf dem Gelände eines ehemaligen Nonnenklosters gefunden wird, muss er sich entscheiden: Will er weiter den Hausmann geben oder sein Team rund um Subcomissário Vasconcellos unterstützen – vor allem, da Avila den Hauptverdächtigen besser kennt, als ihm lieb ist.
Hier geht es zu einer kleinen Leseprobe …

»Madeiraschweigen« – jetzt bei eurem Buchhändler um die Ecke und in vielen Onlineshops

Madeiraschweigen, Taschenbuch, 340 Seiten broschiert – ISBN-13: 978-3-751957960

Madeiraschweigen, Ebook – ISBN-13: 978-3- bzw. ASIN: B08BZLKM33

logo-thalia
logo-hugendubel
logo-buecher

Nur EBook:

logo-kobo
logo-weltbild

Direkt als Taschenbuch beim Verlag kaufen (Einfacher Versand auch nach Madeira):

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist BoD-e1552897103148.png