Comissário Avila – mein Ermittler auf der Frühlingsinsel

Avila leitet die »Brigada de homicídios«, die Mordkommission in Funchal, und ist mit Leticia verheiratet.

Als Festlandportugiese hat es ihn mit seiner Frau 2008 nach Madeira verschlagen. Bis heute ist er immer wieder erstaunt über die Inselbewohner. Vor allem die Tatsache, dass scheinbar jeder jeden kennt, kann er, der die meiste Zeit seines Lebens im quirrligen Lissabon verbracht hat, nicht verstehen.

Dieses Foto zeigt Avila mit seinem treuen Hund Urso vor dem kleinen Haus in Garajau, welches er sich mit Leticia vor ein paar Jahren gekauft hat.

Er liebt gutes Essen, was man zu seinem Bedauern auch sieht. Seine Hoffnung, dass er sich durch die Spaziergänge mit Urso jetzt ein paar Pão de Deus oder Pasteis de Nata mehr am Tag gönnen kann, hat sich nicht bestätigt. Das könnte aber vielleicht auch daran liegen, dass ihn sein abendlicher Rundgang meistens in eine der Bars in Garajau oder Caniço de Baixo führt, um mit seinem Freund Carlos einen Poncha oder ein Caneca de cerveja, ein grosses Bier, zu trinken.
Für ihn gibt es kaum ein Problem, welches sich nicht bei einem guten kurzen Schwarzen, einem Bica, oder einem portugiesischen Milchkaffee, einem Galao, lösen lässt. Dafür gibt es auch keine unpassende Tages- oder Nachtzeit. Dass es bei ihm im Büro auch immer einen guten Kaffee zu trinken gibt, hat sich mittlerweile im Polizeipräsidium herumgesprochen.

Seine Kriminalfälle löst er mit einem guten Gespür für die Menschen und ihre Abgründe. Am liebsten zieht er sich für seine Gedankenspiele in seinen mit grauen abgestossenen Cord bezogenen Denksessel im Büro zurück. Die Laufarbeit machen meistens seine beiden Mitarbeiter Subcomissário Vasconcellos und seit zwei Jahren auch Felipe Baroso, der mittlerweile zum Aspirante a Oficial aufgestiegen ist.

Avilas Antrieb ist sein Sinn für Gerechtigkeit. Womit man Avila auf die Palme bringen kann, sind politische Spielchen. Diese überläßt er lieber seinem Vorgesetzten André Lobo, der sich um so besser darin auskennt.
Außerdem bleibt ihm dadurch auch Zeit, das Leben mit seinen beiden Frauen zu genießen. Seit dem Sommer 2014 sind er und Leticia Eltern der kleinen Felia, die ihre größte Freude ist.

Ein Blick hinter die Kulissen des Buchschreibens Teil 2 – lebendige Figuren erschaffen

oder wie ich mich in eine meiner Nebenfiguren verliebte und sie anfing, mir ihre Geschichten zu erzählen …

Jedes Buch lebt von den Figuren, die es bevölkern. Der Leser muss sich in die Personen einfühlen können, mit ihnen lachen, weinen und Angst haben können. Aber wie erschaffe ich als Autor vielschichtige Figuren? Und was steckt dahinter, wenn ein Autor sagt, seine Figuren haben sich verselbständigt?

Mein »Madeirateam« in Funchal

Bevor ich einen Charakter in meinen Büchern einführe, muss ich ihn zunächst kennenlernen. Das fängt bei so simplen Dingen an wie sein Alter, sein Aussehen und wo er geboren wurde. Aber dann geht es weiter. Stell dir vor, du bist auf einer Party und du lernst jemanden kennen. Der Mann oder die Frau erwecken deine Neugier. Ihr kommt ins Gespräch und wollt mehr voneinander erfahren. Entdeckt gemeinsame Hobbys oder könnt über die gleichen Witze lachen. So ergeht es mir auch mit vielen meiner Charaktere, die ich entwickele. Ich erfahre, dass sie genauso für einen guten Kaffee zu haben sind wie ich. Oder, dass sie den gleichen Sport wie ich machen. Es kann aber auch sein, dass sie, wie Avila, gar nicht für körperliche Bewegung zu haben sind. Manchmal verbirgt sich hinter der Fassade ein ängstlicher Mensch, dem es bevorsteht, Familienvater zu werden. Es kann aber auch sein, dass die unterkühlte Gerichtsmedizinerin gerne mit schnellen Autos fährt.

Um mit meinen Figuren in unsere Geschichten einzutauchen und sie erzählen zu können, muss ich alles erfahren. Fernando Avila hat mir von seiner Studienzeit in Lissabon erzählt und Leticia, seine Frau, von ihrer Jugend bei Barcelona, als sie am liebsten den ganzen Tag am Strand in der Sonne gelegen hat. Von meinen Figuren höre ich auch, wer ihre Eltern sind und mit was für Freunden sie sich umgeben. Ich kenne Avilas Lieblingsspeise und weiß, wie sein bester Freund heißt (das weißt du sicher auch? …) Nur so ist es mir möglich, sie zu verstehen und ihre Handlungen in meinen Geschichten weiterzugeben. Nein, es ist sogar mehr: sie fangen an, mir die Geschichten zu erzählen und ich bin selbst erstaunt, wo es uns hinführt.

Mein Avila etwa war zunächst nur der etwas anstrengende Comissário in meinem ersten Krimi »Mord auf der Levada«, der nicht immer begeistert davon war, wie sich Pauline in seine Ermittlungen einmischte. Dann habe ich aber von seinen Problemen in seiner Ehe erfahren und irgendwann war ich soweit, dass ich wissen wollte, wie seine und Leticias Geschichte weitergeht. Auch sein Subcomissário, der schicke Vasconcellos, ist mir in den letzten fünf Jahren ans Herz gewachsen. In »Madeiragrab« erlebte ich ihn zum ersten Mal mit einer festen Freundin. Aber leider entstanden daraus einige Probleme für ihn … Insgeheim hoffe ich, dass er endlich sesshafter wird und vielleicht auch die richtige Frau finden wird. Auch andere Figuren, wie Leticias etwas anstrengende Freundin Inês, aber auch der leicht unsichere Baroso haben mich neugierig gemacht, wie sie sich in den nächsten Jahren entwickeln. Selbst ein etwas zwielichtiger Charakter wie Romairo Palmeiro hat mir in »Madeirasturm« gezeigt, dass er durchaus auch eine andere Seite haben kann (was mich fast genauso überrascht hat wie Avila …).

In den kommenden Wochen möchte ich euch ein bisschen von Avila, Leticia und den Anderen erzählen. Vielleicht entdeckt ihr Seiten an ihnen, die ihr noch nicht kanntet …

Lasst mich euch in der nächsten Woche ein paar Dinge von Avila berichten.